EDINBURGH: WOCHE 4

Endlich kann ich mit euch den Bericht zu meiner vierten Woche in Edinburgh teilen. Erstmal ein großes Sorry dafür, dass dieser so spät online kommt. Leider ging es bei mir privat etwas drunter und drüber und ich musste den Blog erstmal hintenanstellen. Aber besser spät als nie, heißt es ja. Los geht’s…

 

Diese Woche habe ich es endlich ins Nationalmuseum geschafft. Ich hatte eigentlich vorgehabt, eher hinzugehen, aber irgendwie kam mir immer wieder der Alltag oder die Arbeit dazwischen. Mal abgesehen davon, dass man dort auch locker mehrere Tage verbringen kann (das Museum ist nämlich echt riesig und an einem Tag definitiv nicht zu schaffen), ist diese Art von Tagestour auch besonders preiswert, da der Eintritt kostenlos ist :)

 

Ich bin also frisch aus dem Regenschauer ins Museum gestiefelt, bepackt mit Rucksack und Kamera, und Richtung Informationstresen gelaufen. Im Grunde habe ich einen Ort gesucht, an dem ich meinen Rucksack lassen kann, da ich davon ausgegangen bin, dass ich diesen abgeben muss. Zumindest aus Museen anderer Ländern bin ich es so gewohnt. Fotos, unnützes Gepäck und manchmal sogar lautere Unterhaltungen sind untersagt. Umso überraschter war ich, als ich nach einem: »Hello, this is my first time in the national museum and I want to know where…« mit einem freundlichen Strahlen begrüßt wurde, gefolgt von einem: »That’s great. Can u see the guide up there? He’s talking about scotland history. Are you interested in that theme?«

Eigentlich habe ich nur noch ein Ja gestammelt, bevor sie mich auch schon hinter dem netten älteren Herrn in Tweed Hosen her gescheucht hat. Bob hat mir erzählt, dass er das seit neun Jahren ehrenamtlich macht. Ich finde es immer wieder beeindruckend, wie viele Schotten in Geschichte und Politik dermaßen bewandert sind. Seine Tour war jedenfalls sehr aufschlussreich. Zum Ende hat er uns auf das Dach des Museums geführt von dem aus man einen wundervollen Blick über Edinburgh hat. Dort ist auch eins der wenig von mir vorhandenen Selfies entstanden. Ich mag Selfies nicht so, wie der ein oder andere vielleicht weiß, denn ich finde mich nicht nur besonders unfotogen, sondern Selfies im Allgemeinen ziemlich bescheuert. Aber ich habe generell verhältnismäßig wenig Fotos geschossen in meiner Zeit in Schottland. Da bin ich ja eher pragmatisch veranlagt. Lieber genieße ich die Momente in vollen Zügen und sauge jeden Augenblick davon wie einen Schwamm auf, denn im Endeffekt sind diese Erinnerungen etwas, was keine Festplatte der Welt verlieren kann -  wenn sie wie bei mir generell lieber runterfällt.

Diese Woche habe ich es übrigens auch eeeeeendlich in die Highlands geschafft. András und ich sind nach Glencoe gefahren. Von Edinburgh sind das eigentlich umgerechnet nur 200km, aber bekanntlich ist man in UK auf dem motorway nicht besonders schnell und wenn man dann auch noch durch den Nationalpark Loch Lomond durchfahren muss, kann man schon mit circa vier Stunden Autofahrt rechnen. Zum Glück macht die tolle Aussicht die lange Fahrt wieder wett. Ich habe riesige Hirsche und die three sisters gesehen (drei einander sehr ähnelnde Berge, die den Höhepunkt von Glencoe bilden und von denen ich es nicht einmal geschafft habe, sie vernünftig auf ein Bild zu bekommen). Die Wanderung selbst war toll. Ich habe mich diesmal auch fast gar nicht blamiert. Nur ein bisschen, als ich versucht habe aus dem Fjord zu trinken und dabei meinen Fuß im kalten Wasser versenkt habe – Gott segne das Imprägnier-Spray :)

 

Übrigens weiß ich natürlich nicht, was ihr für Erfahrungen diesbezüglich gemacht habt, aber ich hatte in den Highlands NULL Handynetz. Wer also mal dem Alltag entfliehen möchte oder es nicht schafft, sich abzukapseln oder die Hände am Handy festkleben hat, sollte sich ein Wochenende in den Highlands gönnen. Ich jedenfalls fand es mal ganz schön einfach nur offline zu sein. Selbst der einzige Pub in der Area von Glencoe ist von der Außenwelt abgeschnitten. Aber mal ehrlich – wer will schon bei WhatsApp herumhängen, wenn er ein Bier und leckeren mince pie am Kamin vertilgen kann? ;)

Es gibt noch so viele Ecken in den Highlands zu erkunden. Ganz oben auf meiner Liste steht die Isle of Skye. Ich bin mal gespannt, wann ich es schaffe, mich dort umzusehen.

Stirling ist allgemein bekannt für seinen Gruselfaktor und es soll nicht gerade wenig Geister geben, die in dieser Stadt ihr Unwesen treiben. Beispielsweise spukt die Green Lady im Stirling Castle. Einige Besucher des Schlosses sind fest davon überzeugt, die dort umherwandern gesehen zu haben. In einer Nische des Cowane’s Hospital steht außerdem die Statue von John Cowane, der den Schotten auch als Auld Staney Breeks bekannt ist und der laut Legende jedes Jahr an Hogmanay (schottisch für Silvester) von seinem Sockel hüpft, um im Hof zu tanzen. Ich möchte geschichtlich nicht jedes Mal so ausufern, aber es lohnt sich, sich die Geschichte von Stirling mal genauer anzusehen. Die Stadt war selbst bei Nacht einfach nur wunderschön - trotz Gruselfaktor - und ich möchte definitiv wiederkommen.

 

Während meiner letzten Tage in Edinburgh bin ich dann doch etwas wehmütig geworden. Ein letzter Gang auf den Weihnachtsmarkt, ein letztes Bummeln durch die Altstadt, ein letztes gemeinsames Kochen. Es war einfach eine wundervolle Zeit. Ich habe so großartige Menschen kennengelernt, durfte so tolle neue Erfahrungen machen und habe für die Arbeit an meinem Fantasy-Projekt und auch für mich persönlich richtig wertvolle Werte erfahren dürfen.

Inzwischen bin ich nur noch eine mittelschwere Katastrophe in der Küche, ich habe gelernt, viel mehr auf mein Herz und überhaupt mein Bauchgefühl zu hören und sehe die Welt nun auch ein bisschen bunter als zuvor. Außerdem habe ich mich wohl in dieser Zeit noch ein Stück weit mehr in Großbritannien verliebt.

Ich kann wirklich jedem ans Herz legen, solche Reisen zu machen und sich einfach zu trauen, neue Menschen und die Kulturen dahinter kennenzulernen. Ich habe jetzt jedenfalls genug Inspiration für meine Fantasy-Geschichte gesammelt und werde mich im Laufe dieses Jahres an das gesamte Skript wagen. Aber zuvor warten noch zwei andere Projekte auf mich, die keinen Aufschub dulden. :)

 

In diesem Sinne verschwinde ich nun gepflegt in meinem Fuchsbau und mache mich ans Werk. Ich wünsche euch alles Liebe und Gute für das neue Jahr, ganz viel Inspiration und Kraft für eure Vorsätze und allem voran Gesundheit,

 

eure Emilia

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