MY NEW LIFE IN SCOTLAND: FEBRUAR - APRIL

Die Überschrift macht ja eigentlich schon klar, worum es in diesem Beitrag geht. Einige wissen es schon, für andere ist es neu: Ich bin kürzlich nach Edinburgh gezogen. Gründe dafür gibt es mehrere. Die meisten davon sind und bleiben meine Privatangelegenheit, doch einen kann ich ganz sicher mit euch teilen: Ich liebe Schottland und kann mir keinen schöneren Ort vorstellen, an den man auswandern kann. Natürlich ist diese Entscheidung auch mit viel Organisation, Schweiß und Blut verbunden gewesen (wie man so schön dramatisch sagt), aber bereut habe ich sie deshalb noch lange nicht. Und angefangen hat alles mit vier gepackten Koffern…

 

Es gab einen riesigen Berg an Dingen zu erledigen, als ich Anfang Februar in Edinburgh ankam. Im Grunde gibt es immer noch einen größeren Hügel, der sich wohl erst in den nächsten Monaten legen wird, aber das Gröbste ist geschafft. Meine Tiere sind nach der Buchmesse gefolgt. Für die Chinchillas gab es einen neuen größeren Käfig, meine Hündin gibt sie nach wie vor mit ihrem alten ranzigen Kissen zufrieden - ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich ihr einen ganz tollen neuen Korb mit Kissen angeboten habe, doch den wollte sie nicht. Na gut, dann eben das alte Kissen mit den Löchern …

 

Ich wohne in der Nähe von Portobello, recht nahe am Strand, was besonders für Spaziergänge oder ein morgendliches Jogging total klasse ist. Land und Leute sind super freundlich und mit irgendwem kommt man immer ins Gespräch. Vor allem, wenn man einen Hund hat. Der schottische Akzent ist manchmal wirklich hardcore und nicht ganz einfach zu verstehen, aber ich bin schon dabei, Serien wie Outlander zu suchten, um mich damit anzufreunden, zumal die Schotten diesbezüglich auch sehr geduldig sind und die Frage im Zweifelsfall auch ein fünftes Mal für dich wiederholen.

Bevor ich nun allerdings weiter auf mein Leben in Schottland eingehe und ein bisschen erzähle, was ich besonders an den Wochenenden so treibe, würde ich gerne kurz die Leipziger Buchmesse einschieben. Ich habe mich irre, gefreut, dass ich einige befreundete Autoren, Lektoren und Grafikdesigner wieder treffen konnte. Wie immer gab es auch ein paar, die man aus verschiedensten Gründen nicht treffen konnte, aber mit den meisten hat es geklappt. Auch bei BoD hab ich vorbeigeschaut, wo meine Jahr-Reihe ja Ende 2016 zunächst im Selbstverlag erschien, bevor sie zu Impress gewandert ist. Es war schön, Thorsten und Kirsten mal wiederzusehen.

An dieser Stelle möchte ich übrigens Tanja Voosen ganz lieb grüßen, die aus gesundheitlichen Gründen leider nicht zur Messe kommen konnte. Ich kenne kaum einen Menschen, der so tough ist wie du und ich hätte mir so sehr gewünscht, dass wir uns treffen können. Aber wie sagt man so schön: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, oder? ;)

 

Auf dieser Messe war ich eher als Julie Renard unterwegs, da mein Debütroman »High Voltage - Brooklyn Boy« am 15. März im Cursed Verlag erschienen ist. Ich habe bis jetzt unglaublich tolles Feedback für das Cover und die Geschichte bekommen. Dafür möchte ich mich ganz herzlich bei euch bedanken. Auch beim Cursed Verlag, denn das ganze Team ist eine Wucht. Ich hatte die Möglichkeit, mein Taschenbuch (endlich habe ich wieder ein TB!!!) zu signieren und mich mit anderen Autoren des Verlags auszutauschen. Die liebe M.S.Kelts und auch A.C. Lelis habe ich zum Beispiel kennenlernen dürfen (wirklich ganz liebe Kollegen).

 

Als Emilia Fuchs war ich nur kurz unterwegs, und zwar auf der Spring ins Buch-Leserparty von Impress in der Moritzbastei, wo mir viele Elfen, Fabelwesen und düstere Gestalten begegnet sind und es schöne Lesungen der Autorenkolleginnen gab.

 

Leider hat das Schneechaos der Messe ein bisschen die Besucherzahlen eingebrochen, aber das hat der guten Stimmung wirklich überhaupt keinen Abbruch getan. Ich freue mich schon auf nächstes Jahr! :)

 

Folgend mal meine Messeeindrücke  (fotografiert von Andras Sandor Photography)

Als ich im Februar in Schottland ankam, wurde ich zunächst mit heftigem Schnee begrüßt. Nie kam mir ein Winter so lange vor, wie dieses Jahr. Und nie habe ich etwas derartig lustiges erlebt …

 

Edinburgh bei Schneeeinfall gleicht einer handfesten Apokalypse. Die Leute geraten in Panik, trauen sich teilweise nicht mal mehr auf die Straße, weil sie Angst haben, auszurutschen. Mein Freund musste eine Dame mittleren Alters praktisch die letzten dreißig Meter zu ihrem Haus tragen, weil sie sich die Strecke auf der verschneiten Straße nicht zutraute. Die meisten Geschäfte sind geschlossen und die kleinen Kioske oder vereinzelt Tankstellen, die dann doch geöffnet haben, werden eingerannt. Besonders die Brot- und Milchregale waren wie leer gefegt und an der Kasse wurde panisch gefragt, ob denn gar kein Brot und keine Milch mehr im Lager wären. Leute schwänzten aus Prinzip die Arbeit. Ein Freund entschied sich dazu, den Weg auf sich zu nehmen und nach zwei Stunden erreichte er dann endlich seinen Arbeitsplatz … nur um festzustellen, dass er der einzige arbeitende Mitarbeiter des Tages war. Autos bleiben liegen oder bewegen sich in einer Geschwindigkeit, die im Grunde nicht einmal den Namen Schneckentempo verdient. Es ist ein einziger Ausnahmezustand und wenn es den Leuten nicht so tierisch ernst damit wäre, könnte man wirklich drüber lachen. Ich meine, vom schottischen Volke, die sich ja doch recht nördlich befinden, habe ich es doch eher etwas ruhiger und gesittet erwartet. Na ja, aber es kommt eben immer anders, als man denkt.

 

Was hat mich diese Erfahrung gelehrt? Die Apokalypse ist gar nicht so weit entfernt, wie wir glauben. Und vermutlich gibt es auch dann für den einen oder anderen noch was zu lachen, der vorher nicht ganz hinterm Mond gelebt hat. Außerdem habe ich in der Zeit eine wunderbare Idee für eine Dystopie entwickelt. Das Ganze hatte also auch in beruflicher Hinsicht etwas Gutes und beweist vor allem, dass das Leben immer noch die schönsten Ideen herbeizaubert. ;)

 

Auf dem Bild seht ihr übrigens die Forth Bridge, die nicht nur als erste Brücke komplett aus Stahl gefertigt wurde, sondern auch zum Weltkulturerbe gehört. Habt ihr's gewusst? Das Bild ist an einem der ersten Wochenenden ohne Schnee und kurz vor Sonnenuntergang entstanden. Danach gab's Fish and Chips plus Pint im Pub daneben. Herrlich, um den Tag ausklingen zu lassen!

North Berwick. Diese niedliche kleine Küstenstadt beherbergt nicht nur den berühmten (und ziemlich vollgeschissenen) Bass Rock, sondern auch das mit Abstand leckerste Eis, dass ich je gegessen habe (Eisdiele auf dem Foto). Gepaart mit der atemberaubenden Kulisse, schmeckt es dann noch mal besser. Dazu muss ich allerdings sagen, dass ich ja was Eis angeht, eher einfach gestrickt bin. Ich mag Vanilleeis oder auch Pistazie oder Stracciatella. Mit Toffee Fudge Swirl und Cheesecake lemon kann ich bekanntlich nicht so viel anfangen. Falls das also einer der Mitarbeiter lesen sollte, nehmt doch bitte Pistazieneis in euer Sortiment auf. ;)

 

Wer also Papageientaucher mal live sehen oder das naheliegende Tantallon Castle besichtigen möchte, sollte sich in North Berwick mal umsehen. Übrigens gibt es auch sehr viele Charity Shops, wo man durch schlendern kann.

Hach ja, Edinburgh. Die Stadt der Schreiber und Dichter … Robert Burns, Walter Scott, Robert Louis Stevenson, JM Barrie, JK Rowling … 

 

Dass man besonders JK Rowling an jeder Ecke findet, muss ich, glaube ich, nicht gesondert erwähnen (wobei das eigentlich auch für die anderen zutrifft), aber wer etwas tiefer in die klassische schottische Literatur eintauchen will, zum Beispiel hinter die Kulissen des Schreibers von Dr. Jeckyll and Mr. Hyde schauen möchte, sollte mal einen Abstecher in das Writers' Museum in der Lady Stair's Close machen. Das Gebäude ist sehr alt, überall gibt es verwinkelte Nischen und Treppen und jeder bekannte Autor hat seine eigenen Räume, durch die man stöbern kann. In den Fenstern kann man noch die Stellen sehen, an der das Glas damals in Form geblasen wurde, was dem Ganzen nochmal einen charakterlichen Stempel aufdrückt.

 

Absolute Besuchsempfehlung!

Doch die meiste Zeit (besonders, wenn das Wetter schön ist) verbringen wir etwas außerhalb von Edinburgh bei irgendwelchen Schlössern oder Burgruinen. In diesen alten Gemäuern steckt so viel Geschichte und Inspiration, das ist unglaublich. Meist schnappen wir uns den Hund und ein paar Snacks und machen uns auf den Weg, ohne großes Ziel und ohne großen Plan. 

Und ganz ehrlich, da schlägt das Autorenherz doch förmlich doppelt so schnell und legt einen Tango aufs Parkett, oder? Bei mir tut es das jedenfalls.

 

Das wars erst einmal mit meinem Bericht. Ich hoffe, ich habe euch nicht zu Tode gelangweilt und konnte euch stattdessen einen kleinen Einblick in mein Autorenleben in Schottland geben. Es war ein steiniger und keinesfalls einfacher Weg hierher und ich bin viel gefallen im letzten halben Jahr. Doch jetzt heißt es wieder aufstehen und weitermachen. Man muss halt lernen, auch im Regen zu tanzen ;)

 

Ich muss zugeben, dass die Arbeit an meinen aktuellen Projekten unter meiner privaten Situation sehr gelitten hat und ich habe nicht nur einmal frustriert die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen oder ins nächstbeste Kissen geschrien. Aber im Endeffekt ist das das Leben und es nützt nichts, sich davon unterkriegen zu lassen. Ab jetzt werde ich mich wieder voll und ganz auf meine Projekte konzentrieren und euch regelmäßig über meinem Arbeitsvorgang auf dem Laufenden halten.

Ich hoffe, ihr habt mir die Pause nicht krumm genommen. Aber ich hab das ganz bestimmt nicht gerne oder mit böser Absicht gemacht. Das Leben ist manchmal eben ein etwas steiniger Berg, den es zu besteigen gilt. Übrigens werde ich vermutlich in Zukunft monatlich Beiträge veröffentlichen. Ich lege mich zwar nicht auf ein bestimmtes Datum fest, versuche aber, mich an die Monate zu halten. Der nächste Beitrag würde folglich im Mai erscheinen. Bis dahin passt auf euch auf und bleibt gesund und munter!

 

Eure Emilia.

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