MY LIFE IN SCOTLAND: MAI

Mein Gott, ich kann nicht glauben, dass der Mai schon ins letzte Drittel einzieht diese Woche. Wo ist denn bloß die Zeit abgeblieben?

Eigentlich wollte ich mich schon letzte Woche an den Bericht setzen, aber da hat mir die neue DSGVO dazwischengefunkt. Natürlich war ich damit wieder auf den allerletzten Drücker, doch jetzt hat alles seine Richtigkeit - hoffe ich dann mal ;)

 

Im Monat Mai ist eine Menge passiert. Die volle Wucht des Frühlings ist Anfang Mai auch endlich in Schottland angekommen. Die Temperaturen wurden milder und angenehmer, Bäume dichter und grüner, Blumen schöner und duftender und die Erdbeeren reifer und fruchtiger. Man sagt nicht umsonst, dass Mai der schönste Monat hier ist. Der Holyrood Park war zunächst eine pinke Blütenpracht und wird nun allmählich von den gelbfarbenen Büschen dominiert, die ich sogar hier in Portobello sehen kann. White garlic sprießt überall und zeigt dabei nicht nur ein wunderschönes weißes Blütenmeer, sondern verbreitet auch den unverkennbaren Duft von frischem Knoblauch. Dann sind da noch die zarten lilafarbenen bluebells, die weiten Rapsfelder … ich könnte ewig so weiter machen, meine Lieben.

 

 

Wenn das Wetter mitgespielt hat, sind wir an den Wochenenden immer etwas weiter aus Edinburgh rausgefahren. Zunächst ging es nach Loch Lomond, wo natürlich nicht der Millarochy Bay Tree fehlen durfte (hier auf dem Foto bei Sonnenaufgang). Gecampt wurde direkt am See, dazu gab es vegetarisches Barbecue - lecker!

 

Finnich Glen oder auch als The Devil's Pulpit sehr bekannt, da der Teufel höchstpersönlich dort seine Reden abgehalten haben soll und das Wasser zudem allzeit eine "blutrote" Farbe aufwies, was letztlich jedoch eher am roten Sandstein lag, war eins unserer nächsten Ziele. Im Übrigen heißt im Grunde nur der Fels The Devil's Pulpit, den ihr im Bild links erkennen könnt. Dort hat der Teufel gepredigt und verflucht.

Glücklicherweise waren wir sehr früh am Glen, sodass wir wenigstens eine gute halbe Stunde allein dort waren und die friedliche Atmosphäre einfach nur genießen konnten. Es ist Wahnsinn, welche magische Wirkung diese Orte haben. Es ist, als ob dir lauter kleine Stimmen kichernd ins Ohr flüstern und dir mehr über den Ort erzählen möchten. Das ist wirklich faszinierend und wer mir nicht glaubt, muss es einfach selbst mal ausprobieren. 

 

Den Serienjunkies unter euch könnte dieser Ort vielleicht auch bekannt vorkommen, denn er taucht in der ersten Staffel, Episode sechs von Outlander auf. Vor wenigen Jahren noch war Finnich Glen nur wenigen bekannt und fast völlig unberührt, heute kommen viele Touristen dorthin - und nehmen ihren Plastikmüll nicht wieder mit in die Unterkunft, musste ich leider feststellen.

 

Inzwischen habe ich angefangen, auf meine Wandertouren Handschuhe und Müllbeutel mitzunehmen, um den liegengebliebenen Müll aufzusammeln und dort hinzubringen, wo er hingehört, nämlich in den Mülleimer. Ich finde es zwar traurig, aber nichts zu tun, erscheint mir auch nicht richtig. Dazu werde ich im Übrigen zukünftig bei Instagram auch Bilder mit einem entsprechenden Hashtag posten, um hoffentlich auch andere Leute zu animieren, es mir gleichzutun, um diese wundervollen Fleckchen Natur zu bewahren. Denn wenn ich sehe, dass wir erst den Plastikmüll einsammeln müssen, damit mein Freund, der Fotograf ist, eine anständige und naturgetreue Landschaftsaufnahme machen kann, ist das einfach nur traurig. Grundsätzlich finde ich es ja toll, dass Instagram uns die Möglichkeit bietet, solche Landschaftsschätze zu entdecken und mit anderen zu teilen, aber das littering, wie man das hier nennt, macht das Ganze für mich immer unattraktiver und es ist den Einheimischen gegenüber einfach nur unhöflich. Von der Schädigung der Umwelt mal ganz zu schweigen, aber das muss ich hoffentlich nicht extra aufdröseln. 

 

Übrigens war ich wirklich überrascht, dass es da wirklich eine Treppe gab. Als ich meinen Freund fragte, wie wir denn da runter kommen (wir standen auf einer Brücke über dem Glen), meinte er nur trocken: Na, über die Treppe natürlich. Ich dachte, er macht sich über mich lustig. Doch ein paar hundert Meter weiter zaubert er doch tatsächlich eine Treppe aus dem Hut. Die war zwar echt rutschig an einigen Stellen, aber dennoch ziemlich cool ;)

 

Auf dem Rückweg haben wir mal wieder einen Halt in Stirling gemacht. Diese Stadt mit etwas mehr als 36.000 Einwohnern sollte man wirklich nicht unterschätzen und sich bei einem Besuch in Schottland nicht entgehen lassen.

Diesmal habe ich mir das National Wallace Monument und die Abbey Craig angesehen. Von dort aus hat man eine wundervolle Sicht auf die ganze Stadt, was besonders bei schönem Wetter ein absolutes Highlight ist.

Übrigens dachte ich erst, dass der gute William Wallace (ein schottischer Freiheitskämpfer) einen Zauberstab in der Hand hält, was mich dann doch etwas verwirrt hat. Da hat mich der magische Harry Potter-Funke wohl etwas unvorbereitet getroffen. Allerdings muss man zu meiner Verteidigung sagen, dass das Logo des Monuments in Wirklichkeit viiiiiiel kleiner aussieht als auf dem Foto ;D Hey, ich habe eben eine ausgeprägte Fantasie. Aber natürlich ist es ein Schwert, das er da in der Hand hält.

 

Da wir von unserem Camping-Trip noch ziemlich müde waren, haben wir auch diesmal das Stirling Castle ausgelassen. Aber das wird schnellstmöglich nachgeholt, denn auf das Schloss bin ich wirklich gespannt.

Natürlich durften auch ein paar Schlossbesichtigungen wieder nicht fehlen. Anfang des Monats kam nämlich endlich meine offizielle Mitgliedskarte für Historic Scotland an, was sich jetzt wirklich schon doppelt und dreifach rentiert hat (diese Karte kostet umgerechnet circa. 3,50€ im Monat und der Eintritt zu fast jedem Schloss mindestens 6 Pfund = ca. 7€ bzw. für das Edinburgh Castle sogar circa 20 Pfund = ca. 23€).

 

Den Start macht das Castle Campbell. Besonders fies dort fand ich das Gefängnis (auf dem Foto mit dem schwarzen Gitter), dass im Grunde ein Loch mit einer hölzernen Klappe darstellte, und die Stroh- bzw. Getreidekammern (weil die so dunkel und eng waren). Besonders schön ist der weitläufige Garten und der Blick nach Dollar (so heißt der Ort tatsächlich). Leider war es zu dem Zeitpunkt noch nicht so grün an den Bäumen, allerdings war dieser Ausflug streng genommen auch Ende April.  Man kann zu diesem Schloss natürlich mit dem Auto fahren. Viel schöner ist es allerdings, das Auto in Dollar stehenzulassen und stattdessen hochzuwandern - das nur mal so als Geheimtipp ;) Es gibt einen wundervollen Pfad, der durch Dollar Glen führt und der über und über mit white garlic übersät ist. Traumhaft!

Übrigens haben wir dort auch diesen lustigen Holzpilz gefunden, in den viele Wanderer mittels Stein ihre Münzen gehämmert haben - wir natürlich auch ;) Auf dem Heimweg lag außerdem noch der Ort Kinross und damit die aus dem 18. Jahrhundert bekannte Rumbling Bridge, die ihren Namen aufgrund der damals verursachten Geräusche darauf bekam. Das lustige an dieser Brücke ist aber, dass eine Brücke einfach über die andere gebaut wurde. Wie ulkig ist das denn bitte? Ein paar Fußminuten entfernt findet man außerdem die Devil's Mill, eine Steinformation im Wasser, die vom Teufel höchstpersönlich erschaffen worden sein soll. Der Name führt übrigens auch auf die Geräusche zurück, die das aufschlagende Wasser und die aneinander knirschenden Felsen verursachen.

 

 

Auch das Wochenende darauf standen weitere Schlösser auf dem Tagesprogramm. Ich war erneut beim Craigmillar Castle, diesmal haben wir das Schloss richtig besichtigt, weil wir die Mitgliedschaft endlich bestätigt hatten. Jedes Schloss hat seinen Charme, aber Craigmillar Castle hat mir bis jetzt tatsächlich mit am Besten gefallen. Die Ruinen sind in einer super Verfassung und das ganze Gelände ist wirklich eine Wucht. Und ganz ehrlich - sind diese Bäume im Innenhof nicht wunderschön? Meinem Hund gefallen die Ausflüge übrigens auch immer richtig gut. Der schaut sich immer alles in Ruhe an und genießt die sonnigen Tage. ;)

 

Auch Tantallon Castle habe ich endlich gesehen (an dieser Stelle entschuldige ich mich für das grottenschlechte Panorama-Foto, aber ich habe tatsächlich kein anderes gemacht). Das Schloss steht auf einer Klippe und hat eine atemberaubende Aussicht, nicht zuletzt auf den im letzten Beitrag erwähnten Bass Rock. Als wir einen Tag am Dirleton Castle verbracht haben, wurde es endlich richtig grün und auch farbenroh um uns herum. Der prächtige Magnolienbaum spricht da glaube ich für sich, oder? Aber das ganze Gelände war von wunderschönen Blumen übersät und der Garten sehr farbenfroh. Übrigens beherbergen owohl Dirleton Castle als auch Tantallon Castle auf dem Gelände ein Taubenhaus.

 

Das Wochenende endete mit einem Barbecue auf den Klippen von St. Abbs, die ihr hier auf dem Foto links seht. Das Foto habe ich nach Sonnenaufgang geschossen. Das hat man nun davon, wenn man mit einem Fotografen anbandelt. Immerhin bin ich morgens eigentlich ein ziemlich muffeliger Grottenolm, wenn ich das mal so galant ausdrücken darf  ;)

Übrigens noch etwas, was den Mai dominiert: süße kleine Lämmer an jeder Ecke, die man zwar auf keinen Fall streicheln oder sich ihnen nähern sollte, wenn einem sein Leben lieb ist, die aber dennoch total putzig sind.

Noch ein kleiner Ruinenschatz, der sich gar nicht weit von der Stadt Dunbar und auch nicht weit von Edinburgh entfernt befindet: Innerwick Castle. Die alten Ruinen versprühen unglaublichen Charme und sind außerdem nicht so touristenüberlaufen. Auf der Pfad hierher wird von white garlic gesäumt. Mein Hund war ganz begeistert. Das Bild entstand kurz vor der Blütezeit.

Hier bin ich auch noch ein- oder zweimal zum Arbeiten hergekommen, weil man hier gerade was das Thema Fantasy betrifft so schön inspiriert wird. Aber ich möchte euch gar nicht mit zu langen und vielen Texten langweilen. Die Bilder sprechen in diesem Fall, glaube ich, für sich …

 

Übrigens werde ich den Bericht an dieser Stelle "cutten" und im Juni fortsetzen. Schließlich will ich euch mit ellenlangen Berichten nicht zu Tode langweilen. Wer weiß, vielleicht mache ich auch einen zweiten Part Ende Mai. Gebt mir dafür einfach entsprechendes Feedback hier oder unter dem Facebook-Beitrag, der zu diesem Blogbeitrag bei FB erscheinen wird. Dann lasse ich mir das mal durch den Kopf gehen. Es passieren momentan einfach so viele Dinge, aber für einen Bericht ist das einfach zu viel. Mich würde jedoch generell mal interessieren, ob euch die Gestaltung der Blogbeiträge in dieser Form gefällt oder ob ihr euch andere Inhalte, Informationen oder was auch immer dafür wünscht. Natürlich darf man auch nicht vergessen, dass mich auch hier der ganz normale Alltagswahnsinn auf Trab hält und natürlich die Arbeit am aktuellen Skript. Zu meinem eigentlich geplanten Emilia Fuchs-Projekt, dem dritten band der Jahr-Reihe, werde ich demnächst mal einen eigenen Eintrag mit einem Update verfassen. Ihr solltet dennoch wissen, dass ich aktuell wieder als Julie Renard unterwegs bin und erst ab Herbst wieder aktiv als Emilia Fuchs schreibe. Zur Zeit sammele ich aber viel Inspiration und Ideen für zwei geplante Fantasy-Projekte, denn Geschichten müssen Bekannterweise ja wachsen und das tun sie gerade ungemein. Und manchmal braucht alles eben ein bisschen mehr Zeit zum gedeihen.

 

In diesem Sinne wünsche ich euch eine wundervolle letzte Maiwoche. Genießt jeden einzelnen Sonnenstrahl und lasst es euch gutgehen,

 

eure Emilia

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